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Markenteilung in Lüttringen

Aktualisiert: 13. Apr.

Bis ins frühe 19. Jahrhundert verfügten die Bauern lediglich über Nutzungsrechte an dem von ihnen bewirtschafteten Land; ein vollständiges Eigentumsrecht bestand nicht. Zudem existierten Gemeinschaftsflächen, die allen Dorfbewohnern zur Verfügung standen, einschließlich der Kleinbauern (Kötter) und Beiliegern. Im Zuge der Bauern-befreiung wurde in Westfalen die sogenannte Befreiung des Bodens eingeleitet. Zunächst erfolgten um 1840 Vermessungen sowie die Erstellung von Separations-karten. Anschließend wurden die Flächen einzelnen Bauern zugeteilt und im Kataster registriert. Im Jahr 1875 kam es zur Aufteilung der zuvor gemeinschaftlich genutzten Flächen – wie Weiden und Wälder – unter den ansässigen Gemeindemitgliedern. Für diese gemeinschaftlichen Flächen bestanden verschiedene regionale Bezeichnungen; in der Haar-Region waren insbesondere die Begriffe "Mark" oder "Gemeinheit" gebräuchlich.


Zeichnungskopf der Separtationkarte mit dem Text: Reinkarte zur Teilungssache von Lüttringen, Enthält die Pläne eins bis fünfzig. Die Teilung ist bewirkt im Jahre 1876 durch den Feldmesser Wächter.
Bild1: Zeichnungskopf der Separationskarte von 1876 [1]

Für mich ist besonders die Aufteilung der „Haue“ in Lüttringen von Interesse. Heute sind dies die Straßen „Koersplatz“ und „Zum Fürstenberg“ ab der Hausnummer 22. Hier erhielten durch die Marken­teilung sowohl meine Ur-Ur-Großeltern Johannes Theodor KAISER (1825 - 1913) und Maria Catharina RINCKEFIEL (1825 - 1892) sowie die Ur-Ur-Großeltern meiner Frau Eberhard HOLTHOFF (1816 - 1886) und Anna Maria Josephina Antonetta MENGE (1818 - 1890) Grundstücke. In beiden Familien waren die Frauen die Eingesessenen mit einem Besitzanspruch, die Männer waren eingeheiratet.


Das folgende Bild zeigt einen Ausschnitt der Karte mit einem Auszug aus der Legende, in der die Interessenten und die Grundstücksgrößen angegeben sind.


Auszug aus der Teilungskarte mit dem Genzverlauf der Grundstücke
Bild 2: Auszug aus der Separtionskarte von Lüttringen [1]


Nr.

Bezeichnung des Interessenten

Flächen-inhalt ha

24

Joseph Röttger zu Lüttringen

0,6791

25

Minorennen {Minderjährige Kinder} Langes

0,3659

26

Ludgar Bühner

0,1389

27

Anton Schmitz

0,2437

28

Eberhard Schmitz

0,2547

29

Heinrich Busemann

0,0960

30

Eheleute Theodor Kaiser

0,0960

31

Eberhard Sörries

0,0960

32

Wilhelm Brinkmann

0,1058

33

Eheleute Joseph Hering

0,0460

34

Christian Netterhoff

0,0887

35

Stationsplatz

0,0060

36

Fritz Droste

0,1632

37

Geschwister Plümper zu Lüttringen

0,1617

38

Ehefrau Wilhelm Quente

0,1025

39

Caspar Bühner

0,0596

40

Ehefrau Wilhelm Quente

0,1195

41

Vaccant

 

42

Minorennen Langes

0,0765

43

Joseph Röttger

0,4318

44

Ludger Schenzer

0,1092

45

Eberhard Holthoff, Eheleute

0,0965

46

Gerhard Lenze

0,0960

47

Mathias Rehbein

0,0960

48

Witwer Christian Vogt und Kinder

0,0665

49

Witwer Anton Büngeler

0,0665

50

Heinrich Bühner

0,0480



Gegenüberstellung der Teilungskarte  mit der aktuellen GIS-Karte
Bild 3: Gegenüberstellung der Teilungskarte mit der aktuellen Karte vom Geoportal des Kreises Soest

Die Grundstücke sind mit wenigen Teilungen oder Zusammenlegungen heute noch erhalten wie ein Vergleich mit einer aktuelle GIS-Karte [2] zeigt. Diese Grundstücke wurden zunächst als Acker- und Weidefläche genutzt und später in Bauland umgewandelt.


Eine weitere Teilung erfolgte in Lüttringen für Gartenland auf dem Schalbenacker, in meiner Erinnerung auch „up der Feih“ genannt, dort betrug die zugeteilte Fläche allerdings nur etwa 25 Quadratmeter pro Parzelle. [3]


Ein schwarz-weiß Foto der Haue in Lüttringen von 1961
Bild 4:   Die „Haue“ etwa 1961 mit den fünf Häusern der Familien LOHMANN/TÜNNEMANN (Grundstück 46), REHBEIN (47), ROBBERT (48), LENNINGHAUS (32) und KAISER (29 und 30) [4]


 

QUELLEN:

[1]

Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, W 051 / Karten A, Nr. 29976 : Hünningen (Ense), Lüttringen (Ense), Ablösung der Reallasten von den Zehntländereien zu Hünningen und Lüttringen, Vermeßregister.

[2]

[3]

Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, W 051 / Karten A, Nr. 41389 : Lüttringen (Ense), Separation Schalbenacker, Reinkarte.

[4]

Familie Kaiser

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 Rev. 0 vom 13.04.2026

 

 


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