Markenteilung in Lüttringen
- Manfred Kaiser
- 13. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Apr.
Bis ins frühe 19. Jahrhundert verfügten die Bauern lediglich über Nutzungsrechte an dem von ihnen bewirtschafteten Land; ein vollständiges Eigentumsrecht bestand nicht. Zudem existierten Gemeinschaftsflächen, die allen Dorfbewohnern zur Verfügung standen, einschließlich der Kleinbauern (Kötter) und Beiliegern. Im Zuge der Bauern-befreiung wurde in Westfalen die sogenannte Befreiung des Bodens eingeleitet. Zunächst erfolgten um 1840 Vermessungen sowie die Erstellung von Separations-karten. Anschließend wurden die Flächen einzelnen Bauern zugeteilt und im Kataster registriert. Im Jahr 1875 kam es zur Aufteilung der zuvor gemeinschaftlich genutzten Flächen – wie Weiden und Wälder – unter den ansässigen Gemeindemitgliedern. Für diese gemeinschaftlichen Flächen bestanden verschiedene regionale Bezeichnungen; in der Haar-Region waren insbesondere die Begriffe "Mark" oder "Gemeinheit" gebräuchlich.

Für mich ist besonders die Aufteilung der „Haue“ in Lüttringen von Interesse. Heute sind dies die Straßen „Koersplatz“ und „Zum Fürstenberg“ ab der Hausnummer 22. Hier erhielten durch die Markenteilung sowohl meine Ur-Ur-Großeltern Johannes Theodor KAISER (1825 - 1913) und Maria Catharina RINCKEFIEL (1825 - 1892) sowie die Ur-Ur-Großeltern meiner Frau Eberhard HOLTHOFF (1816 - 1886) und Anna Maria Josephina Antonetta MENGE (1818 - 1890) Grundstücke. In beiden Familien waren die Frauen die Eingesessenen mit einem Besitzanspruch, die Männer waren eingeheiratet.
Das folgende Bild zeigt einen Ausschnitt der Karte mit einem Auszug aus der Legende, in der die Interessenten und die Grundstücksgrößen angegeben sind.

Nr. | Bezeichnung des Interessenten | Flächen-inhalt ha |
24 | Joseph Röttger zu Lüttringen | 0,6791 |
25 | Minorennen {Minderjährige Kinder} Langes | 0,3659 |
26 | Ludgar Bühner | 0,1389 |
27 | Anton Schmitz | 0,2437 |
28 | Eberhard Schmitz | 0,2547 |
29 | Heinrich Busemann | 0,0960 |
30 | Eheleute Theodor Kaiser | 0,0960 |
31 | Eberhard Sörries | 0,0960 |
32 | Wilhelm Brinkmann | 0,1058 |
33 | Eheleute Joseph Hering | 0,0460 |
34 | Christian Netterhoff | 0,0887 |
35 | Stationsplatz | 0,0060 |
36 | Fritz Droste | 0,1632 |
37 | Geschwister Plümper zu Lüttringen | 0,1617 |
38 | Ehefrau Wilhelm Quente | 0,1025 |
39 | Caspar Bühner | 0,0596 |
40 | Ehefrau Wilhelm Quente | 0,1195 |
41 | Vaccant |
|
42 | Minorennen Langes | 0,0765 |
43 | Joseph Röttger | 0,4318 |
44 | Ludger Schenzer | 0,1092 |
45 | Eberhard Holthoff, Eheleute | 0,0965 |
46 | Gerhard Lenze | 0,0960 |
47 | Mathias Rehbein | 0,0960 |
48 | Witwer Christian Vogt und Kinder | 0,0665 |
49 | Witwer Anton Büngeler | 0,0665 |
50 | Heinrich Bühner | 0,0480 |

Die Grundstücke sind mit wenigen Teilungen oder Zusammenlegungen heute noch erhalten wie ein Vergleich mit einer aktuelle GIS-Karte [2] zeigt. Diese Grundstücke wurden zunächst als Acker- und Weidefläche genutzt und später in Bauland umgewandelt.
Eine weitere Teilung erfolgte in Lüttringen für Gartenland auf dem Schalbenacker, in meiner Erinnerung auch „up der Feih“ genannt, dort betrug die zugeteilte Fläche allerdings nur etwa 25 Quadratmeter pro Parzelle. [3]

QUELLEN:
[1] | Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, W 051 / Karten A, Nr. 29976 : Hünningen (Ense), Lüttringen (Ense), Ablösung der Reallasten von den Zehntländereien zu Hünningen und Lüttringen, Vermeßregister. |
[2] | |
[3] | Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, W 051 / Karten A, Nr. 41389 : Lüttringen (Ense), Separation Schalbenacker, Reinkarte. |
[4] | Familie Kaiser |
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Rev. 0 vom 13.04.2026






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