Tragödie der Familie CORDES 1945
- Manfred Kaiser
- 12. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Jan.
Die Großeltern meiner Frau lebten in Werl. Aus dem Leben dieser Familie ist ein Ereignis unbedingt erwähnenswert.

Dieses Bild zeigt die Familie CORDES in Werl, etwa im Jahr 1943. Auf dem Bild sind von links Josef (* 1924), Maria (* 1930), die Mutter Friederica geborene DÜMPELMANN (* 1893), Theo (* 1922), der Vater Peter Wilhelm (* 1892), Willi (* 1926) und Heinz (* 1928). Zum Ende des 2. Weltkriegs lebten nur noch Theo und Willi. Was war passiert?
Peter Wilhelm, Friederica und ihre zwei jüngsten Kinder, Maria und Heinrich, sind in den letzten Kriegstagen am 08.04.1945 bei einem Granatbeschuss der US-Amerikaner auf Werl umgekommen.


Bei dem Beschuss starben insgesamt 21 Menschen in Werl. Ziel der US-Amerikaner war das Zuchthaus in Werl. Mit 2000 Häftlingen belegt, war es das größte Zuchthaus im Deutschen Reich. Die US-Amerikaner vermuteten hier ein Konzentrationslager. Die meisten Häftlinge waren politische Gefangene und wurden nach der Befreiung entlassen. [1] Auch das Kloster war ein Ziel, da der dort befindliche Bürgermeister zur Aufgabe gezwungen werden sollte. [2]
In einem Artikel des Werler Anzeigers von 1995 ist ein Interview mit Elisabeth Gebhard [2], eine Nachbarin der Familie. Sie berichtet: „Mein Nachbar Peter Kordes hatte 5 Kinder: die 14-jährige Maria, den 16-jährigen Heinz und Peter {Anmerkung: richtigerweise Josef}, Willi und Theo, die an der Front waren. Heinz war als Flakhelfer an der Möhnetalsperre eingesetzt und kam am Samstagnachmittag zurück.“ Aufgrund der Gefährdung gingen 31 Bewohner in den Klosterkeller, was sie auch bei früheren Bombenangriffen getan hatten. Nach einem ersten Schuss nahe dem Keller des Walburgisheimes kamen Rauchwolken aus dem Lehmboden, und die Schutzsuchenden liefen zum Kellerfenster, als dort eine zweite Granate einschlug. Die einstürzende Kellerwand begrub die Menschen. Die dritte Granate schlug dann direkt in den Keller ein. Von den 31 Menschen starben an diesem Sonntag 21 in den Trümmern. Eine Nebenbemerkung ist: Für nur drei konnte ein Sarg aufgetrieben werden. Die anderen wurden in Stoffbahnen eingenäht.
Josef war als Soldat in Rußland und ist einer der vielen vermissten Soldaten von Stalingrad.
Als Theo und Willi nach dem 2. Weltkrieg aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrten, erfuhren sie vom Tod ihrer Eltern und Geschwister.
QUELLEN:
[1] | Westemeier, Jens. Noch immer dunkel über Werl - The Allied National Prison Werl – Symbol britischer Besatzungs- und deutscher Vergangenheitspolitik. s.l. : Ferdinand Schönigh, 2019, Bd. 86. |
[2] | Anzeiger, Werler. Werler Anzeiger. 1995, 04./05. März 1995. |
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Rev 0 vom 12. November 2025






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