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Tragödie der Familie CORDES 1945

Aktualisiert: 9. Jan.

Die Großeltern meiner Frau lebten in Werl. Aus dem Leben dieser Familie ist ein Ereignis unbedingt erwähnenswert.


Es folgt ein Bild: Die Familie steht mit freundlichem Gesichtsausdruck auf einer dünnen Schneedecke vor einer Bruchstein-Mauer über die Efeu rankt. Die Mutter Friederika trägt ein dunkles Festtagskleid mit weißem Kragen. Der Vater, Josef und Willi tragen Anzüge mit Weste und Krawatte. Theo trägt einen Ausgangsanzug der Marine. Maria hateine Schleife im Haar  und trägt eine Kostümkleid mit buntem Kragen.
Bild 1: Familie Cordes in Werl, ca. 1943

Dieses Bild zeigt die Familie CORDES in Werl, etwa im Jahr 1943. Auf dem Bild sind von links Josef (* 1924), Maria (* 1930), die Mutter Friederica geborene DÜMPELMANN (* 1893), Theo (* 1922), der Vater Peter Wilhelm (* 1892), Willi (* 1926) und Heinz (* 1928). Zum Ende des 2. Weltkriegs lebten nur noch Theo und Willi. Was war passiert?


Peter Wilhelm, Friederica und ihre zwei jüngsten Kinder, Maria und Heinrich, sind in den letzten Kriegs­tagen am 08.04.1945 bei einem Granat­beschuss der US-Ameri­kaner auf Werl umgekom­men.


Ein vierseitiger Tatenzettel. Auf der Vorderseite ein langgezogenes Kreut und die Inschrift. Für die, die an Christus glauben ist der Tod kein Untergang sondern die Heimkehr in das Unvergängliche Vaterhaus Gottes... Auf der Rückseite ein Gebet: Brüder, wir wollen nicht traurig sein, wie die so nicht Glauben haben. Ihre lieben Seelen gingen zur Heimat ein, der Staub wird zu Grabe getragen. Sie habens bestanden, wir müssen besteh'n. Sie gingen den Weg, der uns belibt zu geh'n.. Sie ruhen in Frieden!... Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen! Süßes Herz Jesu, sei meine Rettung! ... Mein Jesus Barmherzigkeit! ... "Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn." ... O Gott, erbarme dich der Seele deiner Diener, auf dass sie der Welt aggestorben nur die leben. Amen. (Die ist der Originaltext, einige Worte ergeben keinen Sinn, önnen Setzfeherl sein.)
Die Innenseite des Totenzettels. Auf der linken Seite: Gedenkt in christlicher Liebe beim heiligen Opfer und Gebet. Peter Cordes, geboren am 09. Juli 1892. Frida Cordes, geborene Dümpelmann, geboren am 17. Juli 1893. Heinz Cordes, geboren am 30. August 1928. Maria Cordes, geboren am 24. Juni 1930 ... Auf der rechten Innenseite steht: Alle vier fielen am Weißen Sonntag, dem 8. Aprol 1945 dem Artelleriebeschuss zum Opfer. Nachdem ihnen kurz vorher die Generalabsolution erteilt worden war, wurden sie im Keller unter den Trümmern ihrer Wohnung verschüttet. Wie sie in der Familie so oft im Gebet innig vereint waren, so gingen sie auch im Tode ein in die Ewigkeit. Heinz verbrachte gerade einige Urlaubstage im elterlichen Hause. Aus dem Unfrieden dieser Welt hat Christus der Auferstandene Herr, sie am NAchmittag der Einnahme der Stadt heimgeholt in das Reich seines Lichtes und des Friedens. Die hartgeprüften Söhne beim Militär beugen sich dem Willen des Allerhöchsten wissend, dass die Verwandten und Freunde der lieben Toten treu gedenken. Sie finden Trost in der Hoffnung, dass soviel Eltern- und Geschwisterliebe nun für immer geborgen seind in der ewigen Liebe unseres Gottes.
Bild 2: Totenzettel der Familie CORDES in Werl

Bei dem Beschuss starben insgesamt 21 Menschen in Werl. Ziel der US-Amerikaner war das Zuchthaus in Werl. Mit 2000 Häftlingen belegt, war es das größte Zuchthaus im Deutschen Reich. Die US-Amerikaner vermuteten hier ein Konzen­trationslager. Die meisten Häftlinge waren politische Gefangene und wurden nach der Befreiung entlassen. [1] Auch das Kloster war ein Ziel, da der dort befindliche Bürgermeister zur Aufgabe gezwungen werden sollte. [2]


In einem Artikel des Werler Anzeigers von 1995 ist ein Interview mit Elisabeth Gebhard [2], eine Nachbarin der Familie. Sie berichtet: „Mein Nachbar Peter Kordes hatte 5 Kinder: die 14-jährige Maria, den 16-jährigen Heinz und Peter {Anmerkung: richtigerweise Josef}, Willi und Theo, die an der Front waren. Heinz war als Flakhelfer an der Möhnetalsperre eingesetzt und kam am Samstagnachmittag zurück.“ Aufgrund der Gefährdung gingen 31 Bewohner in den Klosterkeller, was sie auch bei früheren Bombenangriffen getan hatten. Nach einem ersten Schuss nahe dem Keller des Walburgisheimes kamen Rauchwolken aus dem Lehmboden, und die Schutzsuchenden liefen zum Kellerfenster, als dort eine zweite Granate einschlug. Die einstürzende Kellerwand begrub die Menschen. Die dritte Granate schlug dann direkt in den Keller ein. Von den 31 Menschen starben an diesem Sonntag 21 in den Trümmern. Eine Nebenbemerkung ist: Für nur drei konnte ein Sarg aufgetrieben werden. Die anderen wurden in Stoffbahnen eingenäht.


Josef war als Soldat in Rußland und ist einer der vielen vermissten Soldaten von Stalingrad.


Als Theo und Willi nach dem 2. Weltkrieg aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrten, erfuhren sie vom Tod ihrer Eltern und Geschwister.

 

QUELLEN:

[1]

Westemeier, Jens. Noch immer dunkel über Werl - The Allied National Prison Werl – Symbol britischer Besatzungs- und deutscher Vergangenheitspolitik. s.l. : Ferdinand Schönigh, 2019, Bd. 86.

[2]

Anzeiger, Werler. Werler Anzeiger. 1995, 04./05. März 1995.

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Rev 0 vom 12. November 2025


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Ein runder Stempel mit der Inschrift Kaiser Cordes Familienforschung und der Jahreszahl 1945

 


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