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Die Verwandtschaft

Aktualisiert: 9. Jan.



Kanzleidirektor – Hexen – Papstgesannte.


Dieser Beitrag behandelt keine direkten Vorfahren, jedoch Anverwandte der Vorfahren. Die Betrach­tung beginnt mit Anna Maria Helene KORNGIEBEL, geb. HENNEMANN.

Sie starb am 28. April 1829 in Lüttringen, und sie war die Ur-Ur-Ur-Ur-Großmutter meiner Frau (Vorfahrin in der 6. Generation). Ihr Vater Johannes Rötger HENNEMANN und auch ihr verstorbener Mann Christoph KORNGIEBEL waren Jäger auf dem Fürstenberg im heutigen Ense. 


Es folgt ein Bild: ein Auzug aus dem Kirchenbuch mit Feder auf beigem Papier in Tabellenform geschrieben. In der Spalte Vor- und Zuname steht: Anna Heleena Hennemann. In der Spalte Stand der Verstorbenen steht: Witwe des Christoph Korngiebel Jäger aufm Fürstenberg.  In der Spalte Alter steht: 60 Jahre, 6 Monate und eine weitere nicht lesbare Ziffer für die Tage.
Bild 1: Sterbeeintrag von Anna Helena HENNEMANN [1]

Das Geburtsdatum von Anna Maria Helene lässt sich aus dem Sterbeeintrag zurückrechnen. Es war der 20.09.1765 - der Geburtsort bleibt unklar. Ihre ältere Schwester wurde in Attendorn geboren, dem Herkunftsort der Mutter; ihre jüngere Schwester wurde im Forsthaus am Fürstenberg geboren.


Ihre Mutter Anna Margaretha DINGERKUS (1731-1788) stammt aus einer Kaufmannsfamilie in Attendorn, sie starb am 28.03.1788 im Forsthaus am Fürstenberg. Ihre Eltern - also die Großeltern von Anna Maria HENNEMANN - waren Johannes Bernhard DINGERKUS (1694-1745) und Anna Margarethe TÜTEL (1692-1769).


Mit diesem Familienzweig kommen bemerkenswerte Personen in die Familie.


  1. Johannes Everhard DINGERKUS – der Bruder von Anna Margaretha DINGERKUS


Johannes Everhard wurde am 27. Mai 1725 in Attendorn (heute Kreis Olpe) als drittes Kind der Familie geboren. Er studierte Jura in Mainz und wurde 1759 Kanzleidirektor der Fürstabtei Werden bei Essen. Damit war er verantwortlich für Personal- und Rechtsangelegenheiten sowie der Vermögens­verwaltung. Im Jahre 1796 wurde er durch königlich preußische Truppen verhaftet und bis zu seiner Freilassung durch den Kaiser zu Wien in der „Citadelle Wesel” gefangen gehalten. Es war der Höhe­punkt einer Auseinandersetzung des (evangelischen) preußischen Königs mit dem (katholischen) Kloster über die Rechtmäßigkeit von Abgaben. Auch gab es infolge der Bürgermeisterwahl in Werden 1767 ausgebrochenen Wirren zwischen Protestanten und Katholiken. Der Abt erhielt 1796 vom Kaiser in Wien ein Mandat, das ihm nochmals die Landeshoheit zusprach und Preußen zur Abstellung seiner Maßnahmen aufforderte. Durch die 1802 erfolgte Besetzung des Stiftes durch Preußen und seine Säkularisation erledigten sich die Streitigkeiten [2]. Das 1000 Jahre alte Benediktiner-Convent zu Werden wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst [3].


Das Wohnhaus von Johannes Everhard, in dem er auch 1817 starb, und ein barockes Gartenhaus sind in Essen-Werden noch erhalten [4].


  1. Dorothea und Agnette (Nette) BECKER – die Schwestern des Ur-Ur-Ur-Großvaters von Anna Margaretha DINGERKUS


Adolph BECKER war ein Ur-Ur-Ur-Großvaters von Anna Margaretha DINGERKUS, und damit ein Vorfahre meiner Frau in der 12. Generation. Er wurde ca. 1535 als ältestes Kind von insgesamt 7 Geschwistern in Kirchhundem geboren und starb dort am 11. September 1603. Von ihm ist bekannt, dass er mit Hermann VASBACH die Genehmigung zur Errichtung einer Ziegelei in Herrntrop erhielt [5]. Mit seiner Frau Elisabeth HOBERG hatte er 4 Kinder.


Seine Schwester Dorothea war mit dem Bilsteiner Richter Franz von der HARDT verheiratet. Seine Schwester Agnette (Nette) war mit Heinrich STAMM verheiratet. Beide Schwestern gerieten in die Fänge der Hexenverfolgung.


Dorothea BECKER, genannt die Richtersche wird 1575 nach dem 6. Mai erstmals der Zauberei beschuldigt, aber freigesprochen. Sie leistet einen Purgationseid (= Reinigungseid: Um sich vom Vorwurf der Ketzerei zu befreien, konnten die Verdächtigen einen Purgationseid leisten; wer dies nicht tat, galt als überführte Hexe). Als 1587 Elisabeth von Fürstenberg, die Ehefrau des Drosten Caspar von Fürstenberg, die auch die Patin ihrer Nichte Elisabeth (Elsa) BECKER war, plötzlich verstirbt, wird sie als Urheberin verdächtigt und von anderen "Hexen" unter der Folter belastet.

Hierzu 2 Einträge aus der Cronik des Bürgervereins Kichhundem [6]: 

 

30. Juli 1590

Nethen Stamm geb. Becker wird in Bilstein verbrannt, nachdem sie unter schwerster Folter gestanden hatte, eine Zauberin zu sein. Auf Befragen des Richters hat sie während der Folter auch ausgesagt, dass ihre Schwester Dorothea Hexerei betreibe. Dorothea Becker, Frau des Bilsteiner Richters Franz von der Hardt wird umgehend ergriffen und in Bilstein in den Kerker geworfen. Sie stand schon seit dem Tode der Frau von Fürstenberg 1587 unter Verdacht. Sie hatte diese während deren Krankheit besucht und sollte sie dabei hexerisch vergiftet haben. Auch wurde sie immer wieder verleumdet, an Zaubersprüchen und Hexentänzen teilgenommen zu haben.


7. November 1590

Nachdem Dorothea Becker am 3. und 6. November gefoltert wurde, wird sie heute nochmals aufs "allerhärteste und schärfste torqirt, mit Schrauben auf und abgezogen, elevirt, deponiert, in beizenden Rauch gehängt, an ihren Haaren aufgehängt und mit brennenden Lichtern abgemartert". Dann müssen die Folterknechte von ihr ablassen. "Und wenn ihr mich gleich hundertmal martert und zu Tode quält, so kann ich doch von der Zauberei nichts bekennen", so ruft sie dem der Tortur beiwohnenden Richter und den Amtspersonen zu. Da sie nicht gesteht, kann man sie nicht zum Feuertod verurteilen. Dieser wohl einmalige Fall versetzt das Dorf in Hochspannung.

 

Dorothea wurde freigelassen, sie muss die Kosten des Prozesses tragen und wird außer Landes verwiesen, kommt aber nach einiger Zeit nach Bilstein zurück. 1595 wird sie vom Kurfürsten begnadigt und stirbt vermutlich im Mai 1609 in Bilstein [5].


In der wissenschaftlichen Literatur ist ihre Anklage und ihr Prozess als Fallbeispiel ausführlich beschrieben. Lesenswert ist auch die Biografie von Dorothea Becker [6]. Über diese historische Person der Familie wurde auch ein Roman verfasst [7] und in einem Beiheft zu dem Roman sind die historischen Quellen zusammengetragen [8]. Auch in dem Familienbuch Kirchhundem ist dieser Familienzweig zu finden [9].


Nicht von Bedeutung, aber im Kontext der Ahnen- und Heimatforschung interessant, ist die Herkunft des zitierten Drosten Caspar von Fürstenberg. Er wurde am 11. November 1545 auf der Burg Waterlappe im Kirchspiel Bremen geboren, die zwischen den Dörfern Bremen und Lüttringen lag. Er übernahm bereits 1567 als 22-jähriger, die Aufgaben seines Vaters. Er wurde Verwalter (Droste) des Amtes Bilstein und Waldenburg. Später gewann er das Amt Fredeburg noch hinzu. Seinen Hauptwohnsitz hatte er zunächst auf der Burg Bilstein. Caspar von Fürstenberg war eine Schlüsselfigur der Hexenverfolgungen im Hochstift Paderborn, wo er als Droste die Justiz leitete und maßgeblich an der Verfolgung und Hinrichtung vieler mutmaßlicher Hexen und Hexer beteiligt war.

 

  1. Johannes VORBURG - ein Urahn von Anna Margaretha DINGERKUS


Die Mutter von Anna Margaretha DINGERKUS war Johanna Margaretha TÜTEL. Sie stammt aus einer alten Attendorner Familie. Ihr Großvater Christoph TÜTEL (ca. 1590 - 1648) und dessen Großvater Wilhelm TÜTEL (ca. 1500 – 1592) waren Bürgermeister in Attendorn. Ein Vorfahre von Anna Margaretha DINGERKUS in der 14. Generation (und in der 20. Vorgeneration meiner Frau) ist damit der um 1350/60 in Alkmaar/Holland geborene Professor Dr. jur. Johannes VORBERG, der 1394 Rektor der Universität zu Köln war und 1414 als Gesandter zum Konstanzer Konzil erwählt wurde. 1417 war er Gesandter an Papst Martin V. [10, 11, 12].



QUELLEN:

[1]

https://data.matricula-online.eu/de/; Kirchenbuch St. Lambertus Bremen, Sterbefälle 1826-1850, KB012-01-S, S. S_0023.

[2]

Stüwer, Wilhelm [Bearb.]: Das Erzbistum Köln, 3. Die Reichsabtei Werden a.d. Ruhr / im Auftrag des Max Planck Inst. für Geschichte, Walter de Gruyter, Berlin, 1980.

[3]

Krause, Jochen. 2015 : 20 Steine markieren die Grenze. Der Westen Funke Medien NRW. [Online] 30. 05 2015. https://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-attendorn-und-finnentrop/20-steine-markieren-die-grenze-id10726876.html.

[4]

Bankmann, Peter: Das historische Gartenhaus Dingerkus in Essen-Werden, Edition Schmitz, 2017.

[5]

[6]

Bürgerverein Kirchhundem.

[7]

Becker Günther : Dorothea Becker, die Richtersche genannt (um1535-1609) [Artikel] // Schriftenriehe aus dem Kreis Olpe. - 1998. - Bde. Nr. 28, S 55-75.

[8]

Hunold Monika und Klasen Monika : Dorothea Becker - Durchs Feuer gegangen [Buch] : Vorländer GmbH & Co. KG, 2013.

[9]

Nieder Franz-Karl : Familienbuch Kirchhundem [Online]. - 2018. - http://franz-karl-nieder.de/index.php/geschichte/ortsfamilienbuecher/82-familienbuch-kirchhundem.

[10]

[11]

Rauterkus, Berthold : Vom Bauernhof zum Kaiserhof, Europäischer Universitätsverlag 2006.

[12]

Frenken, Ansgar : Gelehrte auf dem Konzil; Konstanzer Arbeitskreis; Bd. 67, 2007.


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Rev 0 vom 17. November 2025

 

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